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Anatomie & Aufbau der Beckenboden-Muskulatur

 

Experte Anastasia Romanova

Anastasia Romanova | Experte für Intimfitness


Anatomie Seitenansicht

Die Anatomie vom Beckenboden gehört zu den elementarsten Muskelgruppen des Körpers. Da er aber so versteckt liegt, ist er den meisten Menschen nicht sonderlich vertraut. Erst wenn es zu Problemen kommt oder ernsthafte Krankheiten auftreten, lernt man die vielseitige Muskelschicht kennen.

 

 

Die Lage des Beckenbodens

Lage des Beckenbodens

Das Becken des Menschen ist wie eine große Schale geformt. Es verbindet die Beine mit dem Rumpf und beheimatet die Ausscheidungs- und Geschlechtsorgane.

Ausgekleidet ist das Becken mit einer dicken Muskelschicht – dem Beckenboden. Er ist der muskuläre Abschluss des Oberkörpers und bildet zugleich die Grenze zwischen den äußeren und inneren Geschlechtsorganen.

 

Aufbau des Beckenbodens

Anatomie Vorderansicht

Es handelt sich dabei um eine dicke Schicht aus Muskeln, Fasern, Faszien und Bindegewebe. Es gibt mehrere unterschiedliche Ebenen, die miteinander verbunden sind:

 

Das sogenannte Diaphragma pelvis ist der innere und erste Teil. Hier ist der wichtige Musculus levator ani zu finden, der Afterhebemuskel. Dieser besteht wiederum aus dem Musculus puborectalis, dem Musculus pubococcygeus sowie dem Musculus Iliococcygeus.

Nach hinten (dorsal) teilt er sich in mehrere Äste auf und wird zum Ligamentum sacrospinale.

Auch nach vorne verästelt sich der Levator ani. Er schlingt sich vom Rektum aus (bei Frauen) um die Scheide sowie im weiteren Verlauf ventral um die Harnröhre (Urethra).

 

Der zweite Muskelstrang des Beckenbodens ist das Diaphragma urogenitales. Auch hier sind einzelne Muskelabschnitte zu unterscheiden:

  • Fascia diaphragmatis urogenitalis superior
  • Musculus transversus perinei profundus
  • Musculus transversus perinei superficialis
  • Fascia diaphragmatis urogenitalis inferior
  • Musculus sphincter urethrae externus (äußerer Schließmuskel der Harnblase)

 

Bei der dritten, untersten Ebene handelt es sich um eine abschließende Schicht aus Schwellkörpern und Schließmuskeln.

  • Musculus ischiocavernosus
  • Musculus bulbospongiosus
  • Musculus sphincter ani externus

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Funktion und Aufgaben der Beckenbodenmuskeln

Das dichte Fasernetz ist überwiegend fest angespannt. Es kann sich aber ebenso lockern und entspannen. Grob kann man von drei Funktionen ausgehen:

 

1. Spannung aufrechterhalten

Die Beckenbodenmuskulatur hat zunächst einmal die Aufgabe, die Organe und inneren Strukturen des Bauchraums an Ort und Stelle zu halten. Daher sind die Muskeln fast immer angespannt.

Wäre der Beckenboden weich, würde das Innenleben allmählich zwischen den knöchernen Wänden der Beckenhöhle nach unten hindurchrutschen.

 

Die latente Spannung im kleinen Becken wirkt sich zusätzlich auf die Körperhaltung aus.

 

Weil der Beckenboden die flexible Verbindung zwischen dem vorderen Schambein (Os pubis), den Sitzbeinhöckern (Tuber ischiadicum) und dem Steißbein ist, wirkt die innere Muskelschicht auf die Ausrichtung von Bauch und Wirbelsäule.

 

2. Gezielte Entspannung

In speziellen Situationen entspannen sich die Muskeln im Unterleib. Das kann willentlich, aber ebenso unbewusst geschehen:

  • Während der Miktion (Wasserlassen).
  • Bei der Defäkation (Stuhlgang).
  • Beim Geschlechtsverkehr zum Einlass des Penis in die Scheide.
  • Bei der Erektion.
  • Beim Orgasmus, dann wechseln sich Anspannung und Entspannung ab.
  • Bei der Geburt zum Durchlassen des Kindes.

 

3. Reflektorisch gegenhalten

Unbewusst kann sich der Beckenboden blitzartig schnell verengen. Das ist immer dann der Fall, wenn ein innerlicher Druckausgleich stattfinden muss (beim Husten, Niesen, Lachen, Hüpfen, Heben oder Tragen).

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Beckenbodenanatomie der Frau

Der weibliche Beckenboden ist anfällig für viele Veränderungen und Krankheiten. Begründet ist das in der speziellen Anatomie der Frau.

 

Ihr Becken ist per se etwas breiter gebaut, um am Ende der Schwangerschaft das Kind hindurch lassen zu können.

 

Diese anatomische Besonderheit sorgt dafür, dass die Muskelstränge größer und weitgreifender ausgebildet sind als vergleichbare Bereiche im männlichen Becken.

Um die Geburt zu ermöglichen, verfügen die einzelnen Muskelschichten bei der Frau über einen höheren Anteil elastischer Bindegewebsfasern und Faszien.

Das erlaubt es den Muskeln, sich im Bedarfsfall extrem weit auseinanderspannen zu können.

So ist es während der Schwangerschaft möglich, dass sich der Uterus leicht absenken kann, um dem Kind innerhalb der Beckenwand mehr Platz zu geben.

Ferner kommt hinzu, dass neben dem Durchlass für Harnröhre und After ein weiterer Kanal, und zwar für die Vagina, vorhanden ist. Diese dritte Öffnung der Muskelplatte destabilisiert den Bereich zusätzlich.

Die muskulären Schichten dieser Anatomie werden von äußerst vielen Nerven durchkreuzt oder umspannt (beispielsweise dem Nervus pudendus oder dem Nervus genitofemoralis).

Diese enge Verquickung ist dafür verantwortlich, das sexuelle Empfinden in ebendiesem Bereich extrem stark zu bündeln.

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Beckenbodenanatomie des Mannes

Die trichterförmige Anatomie des knöchernen Beckens sorgt für viel Stabilität. Im Unterschied zum weiblichen Aufbau sind die Muskelschichten enger und fester miteinander verbunden.

Außerdem sind die Fasern weniger elastisch, so dass der Urogenitaltrakt fester ins kleine Becken eingebunden ist.

Wissen muss man, dass viele Muskeln des Beckenbodens eng mit den Geschlechtsorganen verknüpft sind.

Durch diverse Nerven werden beispielsweise die Schwellkörper nicht nur mit Blut versorgt, sondern es findet direkt anliegend ein sensorischer Austausch statt, der die Empfindung steuert.

Hier zur Übersicht

 

Was passiert bei einer Schwächung des Beckenbodens?

Es gibt viele Faktoren, die zu einer Beeinträchtigung bzw. Erkrankung des Beckenbodens beitragen können.

In jedem Fall haben schon kleinste Veränderungen weitreichende Folgen für den Betroffenen, weil das Zusammenspiel von Muskeln, Nerven, Bändern und Sehnen in diesem neuralgischen Gebiet unmittelbar gestört werden könnte.

 

Absenkung des Beckenbodens

Äußerst viele Frauen (und einige Männer) leiden unter einer Senkung der Beckenbodenmuskulatur (Prolaps oder Vorfall genannt). Diese Veränderung kann die Blase, die Harnröhre, die Gebärmutter oder die Vagina betreffen.

 

Schon eine Abweichung von wenigen Millimetern kann weitreichende Folgen haben. Inkontinenz, eine eingeschränkte Sexualität, Schmerzen und Folgeerkrankungen sind möglich.

 

Die Absenkung kann durch Geburten, Unfälle, Veranlagung, hohes Körpergewicht, eine (Prostata)-Operation oder Hormonveränderungen ausgelöst werden. Das therapeutische Mittel der Wahl sollte in jedem Fall ein professionelles Beckenbodentraining sein.

Mögliche Folgen einer Absenkung:

  • Schmerzen
  • Miktionsbeschwerden
  • Inkontinenz von Blase und Darm
  • Haltungsschäden
  • Rückenschmerzen
  • Sexuelle Beeinträchtigung
  • Orgasmus-Schwierigkeiten
  • Impotenz bzw. Erektile Dysfunktion

 

Brüche und Risse (Hernie)

Lässt die Spannkraft im Beckenboden nach, kann das Areal von innen aufreißen oder nach außen hin durchbrechen. Eine solche Hernie betrifft zusätzlich die innervierten Nerven und Gefäße (bspw. Pudenda interna).

Beeinträchtigungen zeigen sich im sexuellen Empfinden sowie der nachlassenden Funktion des Musculus sphincter ani (Schließmuskel) oder im Bereich des Musculus coccygeus (Steißbeinmuskel).

 

Übrigens:

Der Beckenboden kann nicht nur unter zu wenig, sondern ebenso unter einer zu großen Spannkraft leiden. Bei einem Scheidenkrampf (Vaginismus) ist der mittlere Bereich des Beckenbodens der Frau dermaßen angespannt, dass ein Eindringen in die Vagina nicht möglich ist.

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