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Blasenschwäche – Was man gegen Harninkontinenz tun kann


Blasenschwäche-Harninkontinenz

Die Fähigkeit eigene Körpervorgänge zu kontrollieren kann im Laufe des Lebens eingeschränkt sein oder vollkommen verloren gehen. Dann nämlich ist der Mensch nicht mehr in der Lage, den Urin ohne Verlust in der Harnblase zu speichern.

Eine willentliche und gezielte Miktion, also die Entleerung der Blase auf der Toilette, ist nicht möglich. Liegt diese Rahmenbedingung vor, spricht man von einer Harninkontinenz, auch Blasenschwäche genannt.

 

 

Definition – Was ist eine Harninkontinenz?

Streng genommen gehen Mediziner bereits dann von einer Inkontinenz aus, wenn nur ein einziger Tropfen Urin spontan abgeht. In der Realität ist das Problem aber vielfältiger.

 

Bei manchen Betroffenen tröpfelt es nur selten und wenig, andere wiederum sind generell nicht in der Lage, den Harn zu halten. Bei ihnen allen wird eine schwache Blase diagnostiziert.

 

Schweregrade der Harnblaseninkontinenz

In der Pflege wird eine Blasenschwäche in verschiedene Formen eingeteilt. Hintergrund ist, dass über die Klassifikation die passenden Versorgungsmaterialien (Einlagen, Windeln, Inkontinenzslip) empfohlen werden sollen.

Tröpfel-Inkontinenz: Abgang von unter 50ml Harn pro Stunde

  • Grad 1: Urinverlust zwischen 50-100 ml
  • Grad 2: Harnmenge zwischen 100-250 ml
  • Grad 3: Urinverlust von mehr als 250 ml

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Symptome – Wie erkenne ich eine Harninkontinenz?

Die International Continence Society (ICD) klassifiziert die Inkontinenzformen in verschiedene Kategorie.

Wichtig für Betroffene: Nicht immer muss eine Einordnung genauestens zutreffen, sondern mehrere Profile können durchaus miteinander korrelieren.

 

Dranginkontinenz – Urgeinkontinenz (ICD-10: N39.42)

  • Plötzlich auftretender, massiver Harndrang.
  • Die Toilette wird nicht mehr erreicht.
  • Es gehen einige Tropfen oder der gesamte Blaseninhalt ab.

 

Stressinkontinenz – Belastungsinkontinenz(ICD-10: N39.3)

  • Harnverlust beim Tragen, Husten, Treppensteigen, Niesen, Joggen oder Lachen.
  • Es können Tröpfchen oder ein Schwall abgehen.
  • Mehr Frauen als Männer sind betroffen.
  • Hintergrund ist meist ein Defekt im Beckenboden (nach Geburt oder Prostata-Erkrankung).

 

Mischinkontinenz

  • Kombination als Dranginkontinenz und Belastungsinkontinenz.

 

Überlaufblase – Überlaufinkontinenz

  • Der Urin geht dauerhaft tröpfelnd ab.
  • Ursächlich ist eine ständig überfüllte Harnblase (Harnverhalt).
  • Es kann zum Rückstau von Urin in die Harnleiter kommen.
  • Zumeist sind Männer betroffen (Prostatavergrößerung).

 

Reflexinkontinenz

  • Weder kann die Blase willentlich geleert noch die Miktion unterbrochen werden.
  • Meist bedingt durch eine Schädigung im Rückenmark (Querschnittslähmung, Bandscheibenvorfall).
  • Der Urin kann gänzlich oder in Tropfen abgehen.
  • Auch das unbeabsichtigte Zurückdrängen des Urins ist möglich.

 

Extraurethrale Inkontinenz (ICD-10:39.43)

Der Harn geht durch einen zweiten („falschen“) Ausgang und nicht mehr durch die Harnröhre ab. Ursächlich kann eine angeborene Fehlbildung oder eine Fistel mit durchlässigem Fistelgang sein.

 

Reizblase – überaktive Blase (ICD-10:N32.8)

  • Jederzeit auftretender, massiver Harndrang.
  • Entweder mit tropfenartigem Urinverlust oder OHNE Urinverlust.
  • Meist sind Entzündungen der Blase oder eine Prostataveränderung ursächlich.
  • Ärzte sprechen von der „overactive bladder“, OAB genannt.

 

Giggle-Inkontinenz – Lachinkontinenz

  • Schlagartige Entleerung der Blase beim Lachen.
  • Meist sind Mädchen zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr betroffen.
  • Oft verschwinden die Symptome mit Einsetzen der Pubertät.

 

Bettnässen – Enuresis(ICD-10:F98.0 oder ICD-10:R32)

  • Nächtliches Wasserlassen nach dem 3. oder 4. Lebensjahr.
  • Kann auf Belastungen oder ein hormonelles Ungleichgewicht zurückgehen.
  • Flaut oft zwischen dem 7. und 9. Lebensjahr selbstständig ab.

 

Miktionsstörungen – Urinary Dysfunction

Alle Probleme, die rund um das Wasserlassen auftreten:

  • Schmerzen
  • Erschwerte Miktion
  • Erhöhte Miktionsfrequenz
  • Veränderte Urinmenge
  • Diverse Inkontinenzarten (Urinary Incontinence)

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Ursachen – Wie entsteht eine Harninkontinenz?

Eine lästige Blasenschwäche kann auf äußerst viele Auslöser zurückzuführen sein. Manchmal zeigt sich die Urininkontinenz lediglich kurze Zeit nach einer anstrengenden Geburt und verschwindet von selbst wieder.

 

Andere Symptome schleichen sich mit den Jahren ein und werden immer dominanter.

 

Wichtig ist für Betroffene zu erfahren, dass eine schwache Blase sie nicht alleine betrifft. Die Harninkontinenz gehört weltweit zu den häufigsten Erkrankungen bei Männern wie Frauen. Sie kann außerordentlich gut therapiert werden.

 

Nach der Geburt

Gerade nach einer Schwangerschaft tritt die Blaseninkontinenz vielfach auf. Hintergrund ist, dass sich durch den Geburtsvorgang die Sehnen und Bänder im Becken unnatürlich weit dehnen müssen. Der Beckenboden verliert somit an Halt und die schwache Blase ist vorprogrammiert.

 

Nach einem Kaiserschnitt

Es lässt sich nicht immer verhindern, dass bei einer Schnittentbindung weitere Organe und Strukturen verletzt werden. Demnach kann es in einigen Fällen zur Urininkontinenz kommen.

 

Nach einer Gebärmutterentfernung

Gerade ältere Frauen leiden nach der Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) oft unter einer Harninkontinenz.

 

Bei Prostata-Erkrankungen

Ob eine gutartige Prostata-Vergrößerung (BPH), Entzündungen oder Krebs dahinterstecken – äußerst häufig sorgt die Drüse bei Männern für eine schwache Blase.

 

Im Alter

Mit den steigenden Lebensjahren wächst auch das Risiko, an einer Harninkontinenz zu erkranken. Bei Männern wie bei Frauen spielt dabei der schwache Beckenboden sowie Hormonveränderungen, Übergewicht und Vorerkrankungen eine entscheidende Rolle.

 

Bei Kindern

Die Kleinsten zeigen die Blasenschwäche häufig in der Nacht, wenn sie sich unerwartet einnässen. Auch der sogenannte „Miktionsaufschub“, also das Herauszögern des Harndrangs bis zum Überlaufen der Blase, ist nicht ungewöhnlich.

 

Durch psychischen Stress

Männer, Frauen und Kinder drücken Belastungen im Alltag oft in einer Blaseninkontinenz aus. Die Symptome zeigen sich unterschiedlich stark ausgeprägt.

 

Weitere Risikofaktoren für eine schwache Blase

  • Medikamente
  • Diabetes mellitus
  • Übergewicht
  • Operationen

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Diagnostik der Blasenschwäche

Kompetente Ansprechpartner für Patienten sind Ärzte der Urologie oder Gynäkologie. Die Diagnostik resultiert auf einer Reihe von Untersuchungen und Faktoren:

  • Anamnese
  • Urinuntersuchung, Blutuntersuchung
  • Tastuntersuchung
  • Bestimmung der Restharnmenge mittels Ultraschall
  • Urodynamische Begutachtung (Uroflowmetrie, Urethrometrie, Zystometrie, Beckenboden
  • Elektromyographie)
  • Ultraschall des urogynäkologischen Bereichs
  • Kernspintomographie
  • Zuhause: Miktionsprotokoll

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Therapie und Behandlung – Was tun gegen Harninkontinenz?

Je nach Ergebnis der Untersuchungen stellt der Arzt einen individuellen Therapieplan auf. In vielen Fällen werden mehrere Behandlungsmethoden miteinander kombiniert.

 

Beckenbodentraining

Ein fachkundiges Beckenbodentraining ist der Dreh- und Angelpunkt zum Erhalt bzw. Wiedererlangen der Kontinenz. Dabei lernen Patienten ihre urogynäkologische Körpermitte kennen und werden darauf trainiert, ihren Beckenboden wieder bewusst steuern zu können.

 

Blasentraining

Mittels der Therapie lernen Patienten normale Frequenzen des Wasserlassens kennen. Die Behandlung wird auch Toilettentraining genannt.

 

Elektrostimulationstherapie

Dabei reizen aufgeklebte Elektroden die Organe des kleinen Beckens. Hierbei lässt sich passiv das Gewebe von innen aktivieren. Hilfreich zur Unterstützung können eingeführte Vaginalkonen sein.

 

Verhaltenstherapie

Unter Anleitung wird der „normale“ Gang zum WC eingeübt.

 

Autogenes Training

Durch die Autosuggestion soll das überreizte vegetative Nervensystem beruhigt werden. Darüber soll sich eine Entspannung der überaktiven Blasenmuskulatur erreichen lassen.

 

Homöopathie

Durch die alternativmedizinische Behandlung mit Globuli oder Schüssler Salzen werden die Ursachen, und weniger die Symptome der Harninkontinenz, bekämpft.

 

Medikamente gegen Harninkontinenz

Viele Wirkstoffgruppen tragen effektiv zur Behandlung einer Blasenschwäche bei. Dazu gehören Spasmolytika, Anticholinergika, Alpha-/Beta-Adrenergika und Antidepressiva.

 

Operative Maßnahmen

Bei Männern wie bei Frauen können Fehlstellungen, Einengungen oder Absenkungen zu einer Harninkontinenz führen. Diese lassen sich durch eine Operation an Ort und Stelle korrigieren (Kolposuspension, TVT, Sphinkterunterspritzung, Künstlicher Schließmuskel)

 

Vorbeugen einer Blaseninkontinenz

  • Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme
  • Ausdauersport
  • Muskelaufbau in Bauch und Rücken
  • Pflanzliche Arzneimittel (Goldrutenkraut, Kürbiskerne, Cranberries)

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