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Belastungs-Inkontinenz: Ursachen, Symptome & Therapie bei Stressinkontinenz

 

Experte Anastasia Romanova

Anastasia Romanova | Experte für Intimfitness


 

 

Definition – Was ist eine Belastungsinkontinenz?

Geht plötzlich Urin ab, obwohl man doch nur einmal kurz niesen musste, liegt eine Belastungsinkontinenz vor. Das Problem kennen viele Menschen. Die Inkontinenzform wird auch Stressinkontinenz genannt.

Sie tritt überwiegend bei Frauen auf, doch auch manche Männer und sogar Kinder können von ihr betroffen sein.

 

Symptome der Stressinkontinenz

Anlass des unbeabsichtigten Harnabgangs ist meist ein erhöhter Druck im Bauchraum. Dieser kann bereits durch einfache Belastungen wie lachen, bücken oder husten ausgelöst werden. Selbst wenn sich nur wenig Harn in der Blase befindet, entleert sich das Organ schwallartig.

 

Klassifizierung der Belastungsinkontinenz

Man unterscheidet bei dieser Form der Harninkontinenz drei unterschiedliche Schweregrade. Die Klassifikation ist wichtig, um für den Patienten eine individuell passende Therapieform zu ermitteln.

  • Grad 1: Die Blase entleert sich bei intensiver körperlicher Belastung (heben, husten, lachen, springen oder niesen).
  • Grad 2: Der Urinverlust tritt bei flotten Körperbewegungen ohne größere Belastung auf. Dazu zählt das Treppensteigen, aufstehen und hinsetzen, schnelles gehen oder sportliches Training wie Jogging.
  • Grad 3: Selbst ohne Anstrengung geht Harn ab. Betroffene urinieren also beispielsweise im Liegen.

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Diagnostik der Stressinkontinenz

Zunächst erfolgt eine Bestandsaufnahme des Problems. Dazu schildert der Patient die zurückliegenden Vorfälle. Hilfreich ist ein Miktionsprotokoll, welches über mehrere Tage und Nächte die Miktionen (Entleerungen der Blase) dokumentiert.

 

Eine Urin- und Blutuntersuchung sind unabdingbar, häufig kommen auch Röntgenuntersuchungen, Kernspintomographie oder Endoskopie hinzu.

 

Im zweiten Schritt folgt die urodynamische Untersuchung. Damit werden die genauen Abläufe im Harntrakt überblickt. Kontrolliert werden die Blasenentleerung, die Fähigkeit zur Harnspeicherung sowie die Ausprägung der Inkontinenz. Das Ergebnis der Urodynamik kreist das Problemfeld eng ein.

Die Diagnostik verläuft übrigens geschlechterspezifisch. Bei Frauen wird zusätzlich die Beschaffenheit von Gebärmutter, Vagina, und Beckenboden festgestellt. Häufig koppelt sich die Belastungsinkompetenz nämlich an eine Absenkung (Prolaps) dieses Areals.

Bei Männern liegt der Fokus auf der Prostata. Die kleine Drüse hat, neben anderen Aufgaben, einen stützenden Effekt auf den männlichen Beckenbereich und kann ebenfalls im Falle einer Erkrankung zur Inkontinenz beitragen.

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Ursache der Inkontinenz

Zwei Faktoren können Auslöser für die Inkontinenz sein. Entweder ist die Harnröhre nicht mehr fest genug im Becken verankert. Dann ist das fixierende System aus Bändern und Muskeln zu locker.

Oder die Verschlussfähigkeit der Harnblase leidet, weil der Schließmuskel (Musculus sphincter vesicae) des Organs zu schwach ist. Häufig sind die beiden Auslöser nicht eindeutig voneinander abzugrenzen.

 

Ursache bei Frauen

Bei den allermeisten Frauen folgt die Belastungsinkontinenz auf die Geburt eines Kindes. Hintergrund ist, dass durch die Schwangerschaft und den belastenden Geburtsvorgang die Haltebänder des Beckenbodens dermaßen erschlafft sind, dass sie ihre stützende Funktion verlieren.

Dann drückt das Gewicht des Bauchraumes auf den Beckenboden und verhindert den natürlichen Verschluss der Harnröhre (Urethra).

 

Die Schwächung des Beckenbodens kann aber auch genetisch bedingt sein. Zudem spielt Übergewicht eine nicht zu unterschätzende Rolle.

 

Ursache bei Männern

Männer weisen besonders häufig nach einer Prostatektomie (RP) eine Stressinkontinenz auf. Oft lässt es sich bei der OP kaum vermeiden, den Blasenschließmuskel negativ zu tangieren.

Daneben spielen Unfälle und Rupturen (Sportverletzungen) eine Rolle. Auch bei Männern sorgt Übergewicht für eine mögliche Ausprägung der Inkontinenz.

 

Ursache bei Kindern

Sie leiden selten an dieser Form der Blasenschwäche. Meist liegt eine organische Störung vor. Dabei könnte eine angeborene Fehlbildung im Urogenitaltrakt bestehen, welche zu einer Stauchung von Harnblase oder Harnröhre führt.

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Therapie & Behandlung – was bei Belastungsinkontinenz hilft

Je nach Geschlecht, Leidensdruck und Klassifizierung werden unterschiedliche Therapien angestrebt. Oft greifen sie ineinander und ergänzen sich sinnvoll.

 

Konservative Behandlungen bei der Belastungsinkontinenz

  • Beckenbodentraining: Das Unterleibstraining gilt für Männer wie Frauen als wichtigste Erstlinientherapie. Dabei werden jene erschlafften Muskeln und Bänder reaktiviert, die für die Funktion des Blasen-Sphinkters verantwortlich sind. Je trainierter der Beckenboden ist, desto eher können die Blasenmuskeln den Verschlussmechanismus wieder ausführen.
  • Biofeedbacktraining: Wer mit seinem Beckenboden wenig vertraut ist, wird mittels eines Apparates damit bekannt gemacht. Dazu werden kleine Messelemente vaginal und/oder rektal eingeführt. Die LED-Anzeige gibt an, ob ein Druckaufbau erfolgt.
  • Elektrostimulation: Hierbei handelt es sich um eine passive Form des Muskelaufbaus. Mittels kleiner Elektroden, die in Scheide und/oder After eingeführt werden, wird ein sanfter Stromimpuls ins Becken abgegeben. Die Muskeln kontrahieren durch den Reizstrom selbstständig. So erfolgt sukzessive eine Kräftigung des Areals.
  • Gewichtsverlust: Übergewicht begünstigt die Stressinkontinenz. Deshalb raten Experten unbedingt zu einer Normalisierung des Körpergewichts.

 

Behandlungsmethoden ausschließlich für Frauen

  • Pessare: Diese Methode richtet sich nur an Frauen. Dazu wird ein Ringpessar vaginal eingeführt, der mittels Druckaufbau Urethra und Blase anhebt.
  • Vaginalgewichte: Eine Weiterführung des Beckenbodentrainings sind Feminakonen. Sie werden in die Vagina eingeführt und sollen dort einige Minuten verweilen. Im Laufe des Trainings erhöht sich das Gewicht.
  • Östrogentherapie: Ein neuer Therapieansatz ist die Hormonbehandlung mit Östrogenen. Sie erfolgt nach der Menopause. Ziel ist es, das Genitalgewebe elastisch und gut durchblutet zu halten, dass eine selbstständige Kontinenz eintritt.

 

Medikamentöse Therapie für Männer und Frauen

Seit kurzem setzt man das Antidepressivum Duloxetin gegen Belastungsinkontinenz ein. Es wirkt zudem positiv bei der Dranginkontinenz. Das Arzneimittel wirkt auf spezifische Botenstoffe und steuert dem unwillkürlichen Harnverlust zuverlässig entgegen.

Es könnte jedoch einige Nebenwirkungen mit sich bringen (Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel).

 

Operative Behandlung bei Frauen:

Bringen die vorangegangenen Therapien bei der Harnstressinkontinenz keine Besserung, können operative Alternativen weiterhelfen.

  • Kolposuspension: Sie kommt dann zum Einsatz, wenn eine Blasen- oder Gebärmuttersenkung vorliegt. Bei der OP wird die Blase dahingehend angehoben und fixiert, dass ein Verschluss der Harnröhre wieder möglich ist.
  • TVT-„Tension-free Vaginal Tape“: Bei dem minimalinvasiven Eingriff wird ein spannungsfreies Band in den Unterleib eingebracht. Das Vaginalbändchen sitzt wie eine feine Schlinge um den Schließmuskelapparat und gibt ihm Stabilität. Es verwächst schließlich mit dem Bindegewebe und fixiert die Harnröhre dauerhaft in der korrigierten Stellung.

 

Operative Behandlung für Männer und Frauen:

  • Implacement-Therapie / Sphinkterunterspritzung: Hierbei wird der Bereich zwischen Urethra und Blasenhals mit Hyaluronsäure angereichert (submuköse Injektion). Die Substanz imitiert stützendes Gewebe rund um die Harnröhre und soll dem Schließmuskel mehr Stabilität geben.
  • Künstlicher Schließmuskel: Bei massiver Stressinkontinenz kann ein aufblasbarer Ballon in die Harnröhre implantiert werden (Paraurethrale Ballonkompression). Mittels einer kleinen Pumpe unter der Haut wird die Miktion eingeleitet.

Übrigens: Ärzte halten sich interdisziplinär bei der Behandlung der Stressinkontinenz an etablierte Empfehlungen. In der sogenannte AWMF Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. werden aktuelle Therapiemöglichkeiten zusammengefasst.

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