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Stuhlinkontinenz – Mit Therapie, Übungen und Hilfsmitteln gegen Darminkontinenz

 

Experte Anastasia Romanova

Anastasia Romanova | Experte für Intimfitness


Stuhlinkontinenz-Ursachen und Behandlung

Immer dann, wenn es zum unbeabsichtigten Stuhlgang oder zum ungewollten Entweichen von Blähungen kommt, spricht man von einer Stuhlinkontinenz. Sie tritt bei Männern wie Frauen gleichermaßen auf. Mit zunehmenden Alter steigt das Risiko, diese Form der Inkontinenz zu entwickeln. Obwohl viele Menschen an der Erkrankung leiden, wird die Darminkontinenz gesellschaftlich stark stigmatisiert.

 

 

Formen der Stuhlinkontinenz – Häufigkeit und Schweregrade

Man geht davon aus, dass bis zu drei Prozent der Bevölkerung von der Darminkontinenz betroffen sind. Der Zustand des Stuhls sowie die Frequenz der unbeabsichtigten Abgänge werden dabei nicht berücksichtigt. Zur deutlicheren Klassifikation wird die Erkrankung in drei Grade unterschieden:

  • Grad 1 – Leichte Form: Unkontrolliertes Entweichen von Darmwinden.
  • Grad 2 – Mittlere Form: Uneingeschränkter Abgang von dünnflüssigem Darminhalt.
  • Grad 3 – Schwere Form: Freier Austritt von geformtem Stuhl.

 

Symptome – Wie äußert sich eine Stuhlinkontinenz?

Viele Betroffene leiden darunter, den Stuhldrang erst viel zu spät wahrzunehmen. Dann muss umgehend eine Toilette aufgesucht werden, weil der Darminhalt nicht mehr länger im Darm verweilt. Man spricht von einer Dranginkontinenz (anorektale Inkontinenz).

Anders die Symptome bei einer sensorischen Inkontinenz. Hierbei bemerkt der Betroffene nicht, dass der Mastdarm maximal gefüllt ist. Der Stuhl geht unkontrolliert ab.

Auch gibt es das Phänomen, das Patienten nicht unter festem oder flüssigem Stuhl und Blähungen unterscheiden können. Auch dadurch kann es zur unwillentlichen Abgabe bzw. zur Darminkontinenz kommen.

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Ursachen – Wie entsteht eine Stuhlinkontinenz?

 

Unterbrechung der Pulsüberleitung

Die Reizweiterleitung ist gänzlich unterbrochen. Dann ist die zentrale Steuerung der Nerven körperlich unmöglich und die Darminkontinenz unausweichlich. Vorkommen:

  • Querschnittslähmung
  • Spina bifida
  • Multiple Sklerose

 

Störung der Impulsverarbeitung

Ist die Reizweiterleitung der Nerven am Darmausgang beeinträchtigt, wird der Stuhldrang nicht mehr vom Gehirn wahrgenommen. Vorkommen:

  • Querschnittslähmung
  • Schlaganfall
  • Diabetes mellitus
  • Multiple Sklerose
  • Demenz
  • Operationen
  • Gehirntumor
  • Morbus Alzheimer

 

Gestörte Sensorik

Die Stuhlinkontinenz kann auch auf lokale Störungen zurückzuführen sein, die alleinig eine gehemmte Reizweiterleitung zulassen. Vorkommen:

  • Durchfall (Diarrhoe)
  • Hämorrhoiden
  • Rektumprolaps (Mastdarmvorfall)
  • Entzündungen (Colitis ulcerosa)

 

Muskuläre Störung

Ebenso kann die Darminkontinenz aus einer Funktionsstörung am Schließmuskel heraus resultieren (Schließmuskelschwäche). Dabei bleibt die sensorische Wahrnehmung der Analschleimhaut intakt. Vorkommen:

  • Beckenbodensenkung
  • Arealstörung nach Schwangerschaft und Geburt
  • Verletzung nach einem Kaiserschnitt
  • Dammriss
  • Fisteln und Analfissuren
  • Tumore
  • Abszesse
  • Überdehnung nach massivem Drücken beim Stuhlgang
  • Genetisch bedingte Fehlbildung
  • Zerstörung des Sphinkter ani internus durch Operation

 

Medikamente

Einige Medikamente wirken sich negativ auf den Schließmuskel aus. Eine anorektale Inkontinenz kann durch diese Wirkstoffe ausgelöst werden:

  • Psychopharmaka
  • Laxativa (Abführmittel)
  • Parkinson-Medikamente

 

Psychosoziale Aspekte

Manche Fälle einer Darminkontinenz werden durch Psychosen verursacht. Hintergrund könnte beispielsweise eine Wahrnehmungsstörung sein.

 

Meist kommen bei der Stuhlinkontinenz mehrere Faktoren zusammen. Die Ursachen verschmelzen zu einem regelrechten Problemfeld.

 

Weitere Auslöser einer Schließmuskelschwäche

Latente Verstopfungen können ebenfalls zur Stuhlinkontinenz führen. Nämlich dann, wenn der Stuhl dermaßen lange im Rektum verbleibt, dass sich daraus harte Kotsteine bilden.

Sie verschmälern die Darmpassage und verschließen den Enddarm, bis eine physische Verstopfung vorliegt. Sammelt sich hinter der Verengung nun der (noch flüssige) Kot an, kommt es zum immensen Druckaufbau.

 

Dieser entlädt sich schließlich schwallartig und wird fälschlicherweise für Durchfall gehalten.

 

Ebenso gibt es eine Häufung von Schließmuskelschwäche bei Menschen mit Übergewicht. Als weiterer Risikofaktor gelten gynäkologische Operationen.

So zeigt sich in einigen Fällen eine Inkontinenz des Darms nach einer Gebärmutterentfernung, etwaig in Verbindung mit einer Harninkontinenz.

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Diagnose

Jede Stuhlinkontinenz ist anders. Zur Erforschung der Ursache stütz sich der Arzt deshalb auf mehrere Untersuchungen:

  • Anamnesegespräch; Erklärung der Stuhlfrequenz, Stuhlbeschaffenheit, Beschwerdeeintritt, Geburten, Operationen, Erkrankungen.
  • Abtasten der Region nach Narben, Fissuren, Hämorrhoiden, Fisteln, entzündlichen Veränderungen, Beurteilung der Verschlusskraft des Schließmuskels (Kneifdruck).
  • Analmanometrie; Messung der Druckverhältnisse und Füllungsdruckwerte im Rektum mittels Sphinkter-Manometrie.
  • Analer Ultraschall zur Begutachtung der Beckenbodenmuskulatur.
  • Meistens: Proktoskopie und Rektoskopie.
  • Manchmal: Röntgenuntersuchung, Computertomographie oder Elektromyographie.

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Therapie und Behandlung bei schwachem Schließmuskel

Aufgrund der umfassenden Diagnostik werden der aktuelle Gesundheitszustand, die weiteren Risikofaktoren sowie das zu erwartende Ziel in einem Therapieplan gebündelt. Oft erfolgen die Maßnahmen nicht autark, sondern werden miteinander kombiniert.

 

Konservative Behandlungen

 

Beckenbodentraining für Männer und Frauen

Oft kann eine beginnende oder leichte Stuhlinkontinenz bereits mit einer gezielten Stärkung des Beckenbodens behoben werden. Dies gilt insbesondere für Männer und Frauen in höheren Lebensjahren oder mit Übergewicht. Unter anderem sind speziell abgestimmte Übungen wie das Schließmuskeltraining sinnvoll.

 

Die leichte Gymnastik stärkt die Muskulatur, bis endlich wieder mehr Befehlsgewalt über die Körperöffnungen möglich wird.

 

Biofeedback für Männer und Frauen

Wem es schwerfällt, seinen Beckenboden zu lokalisieren oder unter einer sensorischen Störung leidet, der kann die Funktion des kleinen Beckens mittels Biofeedback kennenlernen. Dabei wird eine Sonde anal eingeführt.

Baut der Patient nun Druck auf, wird der Widerstand mittels LED-Anzeige dargestellt. Darüber sollen Personen, die unter einer langwierigen Darmschwäche leiden, wieder ein Gefühl für ihren Enddarm und Sphinkter erlernen.

 

Elektrostimulation für Männer und Frauen

Wer aufgrund einer chronischen und somit langfristigen Erkrankung an einer Stuhlinkontinenz leidet, kann den Beckenboden auch passiv trainieren. Möglich ist dies mittels der Elektrostimulation.

Die eingeführte Sonde wirkt durchblutungsfördern auf den Darm, indem leichte Stromimpulse abgegeben werden. Darüber baut sich langfristig wieder strafferes Gewebe auf.

 

Medikamentöse Therapie

Abhängig von der Ursache der Inkontinenz kann auch eine pharmakologische Therapie erfolgen. Damit werden absichtliche Entleerungen provoziert, um den Patienten vor einer überraschenden Stuhlentleerung zu schützen.

 

Eingesetzt werden dabei Abführmittel und Medikamente, die stimulierend auf die Peristaltik wirken (beispielsweise Loperamid).

 

Irrigation

Mittels der analen Irrigation wird der letzte Darmabschnitt mit Wasser gespült. Der Vorgang verläuft ähnlich wie ein Einlauf, findet aber sitzend auf der Toilette statt.

Ziel ist die absichtliche Entleerung und Reinigung des Darms, um den Patienten rund 48 Stunden von der Stuhlschwäche oder dem lästigen Stuhlschmieren zu befreien. Handelsübliche Systeme für zuhause liefert beispielsweise die Firma Coloplast (Peristeen).

 

Irrigation bei Kindern

Manche Kinder tun sich schwer mit dem Stuhlgang. Um ihnen die Angst zu nehmen und den Toilettengang zu trainieren, können sie ebenfalls unter Anleitung einen Einlauf (Anal Irrigation) bekommen. Darüber soll unkompliziert das Darmmanagement erlernt werden.

 

Operative Behandlung

Wie auch im Kampf gegen Blasenschwäche üblich, kann die Kontinenz mittels OP gefördert werden. Dabei wird ein Schrittmacher implantiert, welcher die Impulse zwischen Beckenboden, Darm und Schließmuskel optimieren soll (Sakrale Nervenstimulation).

Verletzungen am Anus können daneben operativ beseitigt und wenn nötig ein neuer Schließmuskel aus körpereigenem Muskelgewebe rekonstruiert werden (Gracilis-Plastik).

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Vorbeugen

Hilfsmittel wie Einlagen, Windeln oder Anal-Tampons sind immer die letzte Wahl. Jeder kann etwas dazu beitragen, seine Darmgesundheit präventiv selbst zu unterstützen.

 

Beckenbodentraining

Eine Stuhlinkontinenz möchte jeder vermeiden. Wichtig ist es deshalb, der Schließmuskelschwäche durch gezielte Gymnastik vorzubeugen. Frauen in der Schwangerschaft wissen um die wichtige Stärkung des Beckenbodens.

Doch auch Männer aller Altersgruppen sollten sich mit dem Areal vertraut machen und vorsorglich für einen straffen Muskeltonus rund um Darm, Blase und Prostata sorgen.

 

Ernährung

Förderlich ist eine ballaststoffreiche Nahrung. Mit ihr erhöht sich das Stuhlvolumen und die Geschmeidigkeit des Stuhls nimmt zu. Ziel sollte es sein, täglich eine schmerzfreie Entleerung absolvieren zu können.

 

Lebenswandel

Regelmäßige Sporteinheiten und der Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Medikamente sorgen ebenfalls für die langfristige Darmgesundheit.

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