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Die Rolle des Beckenbodens während & nach der Schwangerschaft


Schwangerschaft und Beckenboden

Ein Kind zu empfangen gehört zu den größten Mysterien des Seins. Doch damit das kleine Menschenleben überhaupt auf die Welt gelangen kann, ist vorher ein ganz anderes Wunder von Nöten – nämlich in wie weit der weibliche Körper mit den neuen Umständen anpassungsfähig ist. Nicht zuletzt dieses Wandlungsvermögen ist mithin dafür verantwortlich, dass der kleine Spross es überhaupt ins Leben schafft.

 

Im Mittelpunkt der körperlichen Veränderungen steht der Beckenboden der Frau. Warum diese Muskelschicht so immens wichtig ist, erfahren Sie hier.

 

Auf einen Blick – Die Rolle des Beckenbodens rund um die Schwangerschaft:

  • VOR DER GEBURT dichtet die Muskelschicht den Körper ab und stabilisiert das Kind in seiner Position.
  • WÄHREND DER GEBURT öffnen sich die Gewebestränge; das Baby drängt hindurch ins Freie.
  • NACH DER GEBURT zieht der sich zurückbildende Uterus den Beckenboden in seine Ausgangslage. Der Körper verschließt sich innerlich wieder.

 

Veränderung des Beckenbodens in der Schwangerschaft

Das innen liegende Muskelkorsett leistet während der gesamten Schwangerschaft Schwerstarbeit. Im Laufe der Monate stabilisiert der Beckenboden die immer schwerer werdende Gebärmutter, in der das Leben heranwächst.

Die straffe Muskulatur des kleinen Beckens (auch Pelvis oder Pelvic Muscles genannt) hält die inneren Organe sowie das Kind in der richtigen Position. Dafür ist eine enorme Kraft von Nöten.

Gegen Ende der Schwangerschaft lässt diese Zugkraft nach. Nun weichen bestimmte Hormone das vormals feste Gewebe etwas auf. Die Muskeln und Sehnen im Urogenitaltrakt lassen sich dann zwar noch willentlich anspannen, häufig aber nicht mehr zuverlässig steuern.

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Peinliche Momente im letzten Trimester

Ist die weicher werdende Muskelschicht des Beckenbodens überanstrengt, gibt sie immer mal wieder nach. Bemerkbar macht sich das etwa dadurch, dass die Blase nicht mehr richtig dichthält. So kann es passieren, dass die Schwangere beim Heben, Husten oder Niesen immer mal wieder etwas Urin verliert (sog. Belastungs- oder Stressinkontinenz).

 

Lassen sich solche Probleme umgehen?

Die obligatorische Schwangerschaftsgymnastik hilft dabei, den Beckenboden schon vor der Geburt zu aktivieren. Das Beckenbodentraining während der Schwangerschaft ist deshalb so hilfreich, weil es die Muskulatur gleichermaßen stärkt und entspannt. Weil jede Übung auf den Atem abgestimmt ist, helfen die erlernten Körperhaltungen später auch bei den kraftvollen Übungen im Kreißsaal.

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Funktion des Beckenbodens während der Geburt

Wenn die Wehen einsetzen, zeigt sich die enorme Wandlungsfähigkeit der Beckenbodenmuskulatur. Die vormals feste und undurchdringliche Muskelschicht wird nun elastisch und dehnbar. Angefacht durch die Wehen drängt der Kopf des Kindes durch die Muskulatur hindurch.

Der kleine Körper drückt die Gewebefasern immer weiter auseinander. Schlussendlich rutscht das Baby aus dem Bauch heraus, schiebt sich durch die Vagina hindurch und kommt zu Welt.

Diese enorme Weitstellung des Geburtskanals geht nicht ohne Symptome einher. In der Regel leidet die Schwangere während der Geburt unter immensen Schmerzen in Bauch, Oberkörper, Becken und Rücken.

Die Wehen sind so stechend, dass sie in die Beine hinein ausstrahlen und die Beweglichkeit einschränken. Der Körper der Frau befindet sich in einer Ausnahmesituation.

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Rückbildung nach der Geburt

Ist das Baby erst einmal da, sind die Strapazen der Entbindung nicht sofort vergessen. Die Veränderungen sind immens und der weibliche Körper setzt nun alles daran, die wichtige Muskelschicht des Beckenbodens schnell wieder „eng“ zu stellen. Ebenso wird sich die Vagina nach der Geburt wieder zusammen ziehen. Dafür sorgen die sogenannten Nachwehen. Sie sind bereits Teil der Rückbildung.

 

Was passiert bei den Nachwehen?

In den Stunden nach der Geburt kontrahiert die Gebärmutter. Sie spannt sich immer wieder krampfartig zusammen, verkleinert sich dadurch und rückt jedes Mal ein paar Millimeter weiter hoch. Indem sich die Blutgefäße verengen, versiegt der Fluss von Blut und Lymphe zusehends.

 

Gut zu wissen: Die Nachwehen sind meist deutlich zu spüren und zeugen eindrucksvoll von der Rückbildungsfähigkeit des Körpers. Lassen Sie sich auch in diesen Stunden weiterhin von Ihrer Hebamme begleiten.

Setzen Sie, wenn nötig, die gleichen Techniken rund um Atmung und Körperhaltung ein, wie Sie es während der Geburt getan haben und atmen Sie die Nachwehen möglichst ruhig weg. Eventuell können sanfte und wehenfördernde Naturheilmittel den Prozess beschleunigen.

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Was ist mit Komplikationen?

Gerade große Babys oder langwierige Entbindungen führen leider allzu oft zu Einrissen und inneren Verletzungen. Dass diese in der Mehrzahl der Fälle übersehen werden, prangert beispielsweise eine amerikanische Studie aus dem British Journal of Obstetrics and Gynaecology an.

Darin wird konstatiert, dass nur 13 Prozent der begleitenden US-Hebammen und lediglich 73 Prozent der anwesenden Assistenzärzte die Verletzungen an Schließmuskel und Darm erkennen und medizinisch fundiert beurteilen konnten.

Je nach Hochrechnung geht man allerdings davon aus, dass bis zu neun Prozent der vaginal gebärenden innere Verletzungen im Bereich der rektalen Schließmuskulatur davontragen – weitere Abrisse oder Einrisse zwischen Blase, Gebärmutter und der Beckenbodenmuskulatur nicht mitgerechnet!

Weil zur Nachsorge bei einer vaginalen Geburt keine sonographische Untersuchung gehört, bleiben viele Frauen mit ihren Problemen und Befürchtungen allein. Es lohnt sich also umso mehr, sich in Eigenregie um die Gesundheit seiner Beckenbodenmuskulatur zu kümmern.

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Rückbildung bereits im Wochenbett – ist das sinnvoll?

Manche Mamis möchten ihre Körpermitte möglichst schnell wieder in Form bringen. Dabei hilft natürlich die klassische Rückbildungsgymnastik. Die Beckenbodenübungen sorgen für neue Spannkraft und verhelfen Scheide, Gebärmutter, Harnröhre, Blase und Mastdarm wieder in ihre alte Position.

Beachten muss man jedoch, dass man mit den Übungen nicht zu früh beginnen soll. Prinzipiell spricht zwar nichts dagegen, im Wochenbett bereits leichtere Mobilisierungsübungen durchzuführen.

Doch speziell Patientinnen mit einem Dammschnitt oder einer langen Austreibungsphase sollten ihren Körper zunächst schonen. Als Faustregel gilt, erst nach dem Wochenbett mit den Übungen zu beginnen.

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Den Beckenboden stärken

Es tut jeder Frau gut, ihren Beckenboden zu festigen – egal ob vor, während oder nach einer Schwangerschaft. Nur so lassen sich langfristige Probleme effektiv vermeiden. Indem die jeweils äußere, mittlere und obere genitale Muskelschicht immer weiter gekräftigt wird, lassen sich weitreichende Probleme in der Regel verhindern.

 

Diese Tipps helfen:

  • So wie beim Yoga auch, sollte jede Beckenbodenübung ruhig und achtsam durchgeführt werden.
  • Wer nochmals schwanger werden möchte, sollte sich besonders viel Zeit für jede einzelne Übung nehmen.
  • Von den Kassen wird der Rückbildungskurs bezahlt. Es ist jedoch sehr sinnvoll, auch im Anschluss die gymnastischen Übungen weiter zu verfolgen.

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