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Das passiert mit der Vagina nach der Geburt

 

Experte Anastasia Romanova

Anastasia Romanova | Experte für Intimfitness


Vagina nach der Geburt

Zwar mag kaum eine junge Mutter darüber sprechen, in der Realität ist es aber doch so: Die anstrengende Geburt hinterlässt ihre Spuren. Spätestens dann, wenn der Wochenfluss versiegt ist, schaut die frischgebackene Mami unsicher nach unten. Die bange Sorge: Wie hat sich der Körper nun verändert und ist das alles normal? Und auch Männer fragen sich insgeheim, ob es jemals wieder so sein wird wie vorher.

 

 Wie viel Zeit Sie Ihrem Körper nach der Entbindung zur Regeneration einräumen sollten, steht hier.

 

Ändert sich die Vagina nach der Geburt?

Das ist prinzipiell nicht der Fall. Zwar verändert sich die Scheide explizit während des Geburtsvorgangs, doch diese enorme Weitstellung ist nur von kurzer Dauer. Trotzdem haben viele Frauen nach der Geburt das Gefühl, dass es sich „untenrum“ anders anfühlt. Mögliche Gründe:

  • Die Rückbildung ist noch nicht abgeschlossen.
  • In den Wochen nach der Geburt verändert sich der Hormonhaushalt. Weil die Scheide weniger stark befeuchtet wird, fühlt sie sich fremdartig an.
  • Nähte und feine Risse können sich bemerkbar machen, was ebenfalls zu Irritationen beiträgt.
  • Nicht die Vagina selbst, wohl aber die Vulva kann sich optisch verändern. Weil die Schamlippen nun ausgeprägter hervortreten, fühlen sich viele Frauen verunsichert.

 

Gut zu wissen: Selbst versierte Gynäkologen und Hebammen sind im Rahmen der Untersuchung nicht immer in der Lage, die Vagina einer Mutter von der Scheide einer kinderlosen Frau zu unterscheiden.

 

Darum ist es wohl eher ein diskreditierender Mythos, wenn Männer behaupten, mit ihrem Geschlechtsteil einen Unterschied feststellen zu können!

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Bleibt die Vagina nach der Geburt weit?

Nein, auf keinen Fall. Bereits rund 60 Minuten nach der vaginalen Entbindung liegen die Seitenwände der Scheide wieder runzelig aufeinander. Dann ist das gesamte Gewebe zwar noch strapaziert, erschlafft und gedehnt – trotzdem setzt jetzt bereits der Regenerationsprozess des Körpers ein.

 

Die natürliche Rückbildung

Im Laufe der nun folgenden Regeneration versucht der Körper selbstständig, zum früheren Zustand zurückzufinden. Dazu verkleinert sich zunächst einmal die Gebärmutter. Sie rutscht im Laufe der kommenden Wochen sukzessive nach oben und verankert sich in ihrer vorherigen Position.

Hierdurch wiederum „streckt“ sich die gestauchte Scheide. Ebenso erholen sich die gedehnten Seiten. Die Vaginalwände ziehen sich immer weiter zusammen. Die gesamte innenliegende Beckenbodenmuskulatur gewinnt ihre frühere Kraft zurück.

 

Mögliche Probleme nach der Geburt

Der Erfolg der Rückbildung hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Wie bei jedem anderen Heilungsprozess auch, können Probleme auftreten. Dazu zählen:

  • Allgemeine Bindegewebsschwäche, weshalb sich die Seitenwände der Scheide nicht mehr genügend straffen und zurückbilden können.
  • Nicht erkannte innere Verletzungen, Risse, Hämatome und Abrisse, welche die Rückentwicklung verzögern oder erschweren.
  • Schlecht verheilende Nähte, etwa nach einem Dammschnitt oder Dammriss.
  • Dauerhafte Verlagerung von inneren Strukturen (Blasenvorfall, Gebärmuttersenkung, Scheidensenkung).

 

Merke: Vagina und Beckenboden bestehen aus Muskelfasern. Sie können, wie jeder andere Muskel auch, gestrafft und reaktiviert werden. Die äußere Vulva jedoch besteht aus Bindegewebsfasern. Hier ist eine Rückbildung kaum möglich.

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Wie fühlt sich der Sex nach der Geburt an?

Viele Mütter und Väter genießen ihr aufregendes Leben mit Baby, neuen Pflichten und Herausforderungen. Wenn das Kleinkind friedlich schläft, spricht natürlich nichts dagegen, wieder als Paar zusammenzufinden.

 

Wichtigste Voraussetzung: Wenn die Frau Erregung verspürt, keine Schmerzen hat und sich auch ansonsten bereit fühlt, kann man sich langsam vortasten.

 

Was ist, wenn es „komisch“ ist?

Dann ist es noch zu früh für Sex. Solange die Rückbildung nicht ganz abgeschlossen ist, kann es sich – für beide Partner – fremd und weniger intensiv anfühlen. Das liegt einfach an den veränderten anatomischen Verhältnissen. In dem Fall ist die Scheide noch zu weit und die Reibung dadurch herabgesetzt. Besser ist es, wenn die Eltern die vollständige Rückbildung abwarten.

 

Weitere mögliche Veränderungen:

  • Hat sich der Beckenboden noch nicht regeneriert, könnte es für die Frau schwieriger sein, einen Orgasmus zu bekommen.
  • Manche Funktionen haben sich noch nicht wieder normalisiert. Kleine Peinlichkeiten (abgehender Urin, schmatzende Geräusche) sollte man mit Humor nehmen.
  • Versteckt liegende Verletzungen können beim Geschlechtsverkehr schmerzen. Dann drückt das Geschlechtsteil des Mannes auf eine lädierte Stelle.

 

Wann ist Geschlechtsverkehr wieder möglich?

Die Scheide ist nach der Geburt ungewöhnlich weich. Und: Bedingt durch die Hormone befindet sich die Libido der Frau auf dem Tiefstand. Es ist also ganz normal, die erste Zeitspanne (Wochenbett) abzuwarten. Auch danach kann es noch ein wenig dauern, bis eine erfüllte Sexualität möglich ist.

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Die Wichtigkeit des Beckenbodens

Die elastische Muskelschicht des unteren Bauchraums fixiert und steuert den Urogenitaltrakt. Der Beckenboden, geformt wie eine Schale, kleidet das Becken aus und dichtet den Körper quasi ab. Kontinenz, Sexualität und Körperspannung gehen von der tiefliegenden Muskelschicht aus.

 

In der Schwangerschaft

Der Embryo wächst geschützt zwischen den Bändern und Muskelschichten des Beckenbodens heran. Gegen Ende der Schwangerschaft sorgen heftige Wehen dafür, dass sich die Faserschichten öffnen. Nun drängt sich das Kind hindurch ins Leben.

 

Nach der Geburt

Nach der Entbindung verschließt sich der Beckenboden wieder. Die Rückbildung dauert rund sechs Wochen lang an und betrifft ebenso Frauen, die per Kaiserschnitt entbunden haben.

Je mehr Geburten die Mutter absolviert hat, desto langwieriger ist der jeweilige Regenerationsprozess. Zu den Geburtsrisiken und Spätfolgen gehören unentdeckte Veränderungen des Beckenbodens.

 

Die Gesundheit des Beckenbodens wird auch vom Körpergewicht beeinflusst. Eine vollwertige und nährstoffreiche Ernährung ist in jedem Fall sinnvoll, um die Körpermitte nicht unnötig zu belasten.

 

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Trainingsmethoden und weitere Hilfsmittel

Um den Urogenitaltrakt zu trainieren, gibt es mehrere Möglichkeiten.

 

Vor der Geburt

Schon vor der Entbindung kann der Unterleib aktiviert werden. Das gelingt leicht mit klassischer Beckenbodengymnastik. Die Übungen bereiten nicht nur auf die anstrengende Geburtssituation vor, sondern befähigen die Frau auch darin, im Kreißsaal konkret mitarbeiten zu können.

 

Nach der Geburt

Konsequente Rückbildungsgymnastik hilft dabei, schnell wieder zur alten Form zurückzufinden. Insbesondere Frauen mit einem weiteren Kinderwunsch können sich mit dem Training selbst viel Gutes tun. Die Übungen sorgen dafür, dass die Außenwände der Scheide wieder enger werden.

 

Wer möchte, kann sich von seiner Hebamme anleiten lassen oder einen Rückbildungskurs besuchen.

 

Nach der Geburt sind ferner bestimmte Hilfsmittel praktisch. Dazu zählen etwa Elektrostimulationsgeräte, Liebeskugeln und Vaginalkonen, spezielle Vibratoren, Pessare oder Vaginalsonden.

Solche Instrumente unterstützen den natürlichen Rückbildungsprozess von Scheide und Beckenboden und fördern die sukzessive Vaginaverengung auf natürliche Art und Weise.

 

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