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Vaginismus (Scheidenkrampf): Was es ist und was gegen eine zu enge Vagina hilft – Techniken & Geräte im Überblick


Beckenboden entspannen lernen

Die Vagina einer Frau befindet sich unscheinbar zwischen Gebärmutter und Vulva. Das Gewebe der ringförmigen Außenwände liegt weich aufeinander. Doch nicht immer ist es möglich, problemlos in die Scheide einzudringen. Liegt ein Scheidenkrampf vor, so stehen die Wände der Vagina zu eng beieinander und sind enorm verkrampft.

 

Das gesamte Geschlechtsorgan wirkt vom Scheideneingang her wie abgeriegelt. Das Eindringen ist nicht möglich.

 

Der starre Muskeltonus sorgt für ziehende und pochende Schmerzen im Unterleib. Die Frau leidet unter Vaginismus (medizinisch „Genito-Pelvine Schmerz-Penetrationsstörung“). Ist die Situation vorüber, entspannt sich die Muskulatur.

 

 

Ursachen für Vaginismus – Wie entsteht ein Scheidenkrampf?

Mehrere Probleme können der Erkrankung vorausgehen. Bei den allermeisten Betroffenen kam es zu negativen Erfahrungen. Sie haben wiederkehrend Schmerzen beim Geschlechtsverkehr erlebt oder eine traumatisierende Geburt erleiden müssen.

Gewalterfahrungen, Vergewaltigungen, Missbrauch oder andere Komponenten könnten ursächlich sein. Ärzte gehen bei Vaginismus überwiegend von einer psychischen Belastung aus.

Doch es gibt ebenso körperliche Auslöser für einen Scheidenkrampf. Dann nämlich, wenn die enge Vagina beispielsweise durch eine Operation oder Bestrahlung dermaßen vernarbt ist, dass kein schmerzloses Eindringen mehr möglich ist.

Auch eine schwere Geburt kann zu einem massiven Einreißen und anschließendem Vernarben der Seitenwände führen.

Soll nun ein Gegenstand in die enge Vagina eingeführt werden, können alte Traumata hochkommen. Die Patientin entzieht sich der Situation, indem (unwillentlich) die Scheide zu eng wird.

Selbst wenn die Betroffene den Wunsch hat, einen Gegenstand (beispielsweise einen Tampon) einzuführen, ist dies nicht möglich.

 

Die krampfartige Verengung der Vagina wird vom Unterbewusstsein gesteuert, womit ein Eindringen nicht möglich ist. Die Krämpfe gehen von der Beckenbodenmuskulatur aus und ziehen sich bis in die Vulva.

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Wie wirkt sich die Erkrankung auf das Leben aus?

Die Folgen sind unterschiedlich. Viele Frauen leiden unter den Schmerzen beim Geschlechtsakt dermaßen, dass sie sich sexuell zurückziehen. Es ist nicht selten, dass langfristig die Partnerschaft und das persönliche Sozialleben beeinträchtigt sind.

 

Auch der Wunsch nach einer Schwangerschaft rückt in weite Ferne.

 

Nicht zu unterschätzen ist die Gefahr, dass gynäkologische Untersuchungen dauerhaft versäumt werden. Wenn Frauen es aufgrund der zu erwartenden Schmerzen bei einem Scheidenkrampf ablehnen zur Vorsorge zu gehen, könnten weitere Krankheiten folgen.

 

Scheidenkrampf-Symptome

Diese Krankheitsanzeichen sind charakteristisch:

  • Die Patientin hat Schmerzen beim Sex.
  • Es treten Schmerzen beim Eindringen von Tampons, Finger, Spekulum oder sonstigen Gegenständen auf.
  • Der Beckenboden verkrampft, was zu schmerzhaften Empfindungen im gesamten Unterleib führt.
  • Selbst auf den ausdrücklichen Wunsch hin ist es nicht möglich, etwas in den Körper einzuführen.

 

Diagnose von Vaginismus

Meist vertrauen sich Frauen erst dann ihrem Frauenarzt an, wenn der Leidensdruck schon hoch ist. Bei einer oberflächlichen Untersuchung von außen wird der Arzt keine Abweichung feststellen.

Soll jedoch ein Finger oder ein Spekulum in die Scheide eingeführt werden, verkrampfen die Seitenwände der Vagina die somit zu eng sind. Eine Tastuntersuchung ist nicht möglich. Dann ist es für den Gynäkologen eindeutig, die Krankheit zu diagnostizieren.

 

Unterscheiden muss man zwischen zwei Arten von Vaginismus:

Beim primären Vaginismus war es den betroffenen Frauen zu keiner Zeit möglich, schmerzfrei etwas in die Scheide einführen zu können. Der Scheidenkrampf besteht praktisch von Geburt an.

Beim sekundären Vaginismus wird die immer wiederkehrende Verkrampfung durch ein reelles Ereignis der Vergangenheit ausgelöst. Die Patientin kennt also eine Zeit ohne Scheidenkrampf.

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Therapie und Behandlung – Was tun bei enger Vagina?

Ein Gynäkologe kann meist nur die Diagnose stellen. Zur Bekämpfung der Ursache werden in der Regel Therapeuten, Psychologen oder Heilpraktiker hinzugezogen.

Die Behandlung umfasst mehrere Abschnitte: Einerseits soll die Frau die Angst vor dem konkreten Ereignis (Geschlechtsverkehr, Besuch beim Gynäkologen, etc.) überwinden, welches den Vaginismus auslöst.

In einer Gesprächstherapie lernen die Betroffenen mit ihrer Furcht umzugehen und die Ursache zu bewältigen. Daneben ist eine körperliche Therapie sinnvoll:

 

Beckenbodentraining

Hier lernen Patienten, willentlich die Vaginalmuskulatur zu entspannen. Davon sind ebenfalls die Muskeln im Beckenboden betroffen. Das Beckenbodentraining für Frauen verschafft Sicherheit, im richtigen Moment den Krampf gar nicht erst aufkommen zu lassen, sondern der Situation gelassen begegnen zu können.

 

Beckenbodentraining entspannt den gesamten Urogenitaltrakt.

 

Autogenes Training

Das Entspannungsverfahren ist gut erforscht. Es wird dazu eingesetzt, um angstbesetzte Situationen langfristig überwinden zu können. Die Patientin lernt, sich mittels Autosuggestion selbst zu beruhigen. Eine Kombination aus Beckenbodentraining und autogenem Training ist ideal.

 

Biofeedback

Bei der Therapie wird eine kleine, elektronische Sonde in die enge Vagina eingeführt. Sie misst die Kontraktionskraft der Außenwände. Werden die Scheidenkrämpfe ausgelöst, kann die Patientin auf dem Display den konkreten Druck nachempfinden. So soll sie lernen, Schmerz und Tonus zu kontrollieren.

 

Vaginaldehner und Dilatoren

Die Patientin erhält ein Set mit speziellen Vaginaldilatoren. Die konisch geformten Kegel liegen in mehreren Größen vor. Der kleinste Dilator ist vom Umfang her wie ein kurzer Kugelschreiber geformt. Somit ist es möglich eine sanfte Vaginadehnung durchzuführen.

Zuhause wird die zu enge Scheide an den Gegenstand langsam gewöhnt. Im Laufe der Therapie werden immer größere Vaginaldehner eingesetzt.

 

Vibratoren und Dildos

Sie kommen zum Einsatz, wenn die Scheide generell weit genug ist, um beispielsweise einen Penis aufzunehmen. Der Vibrator hilft, die Schmerzen zu überwinden und die Vagina an die Penetration zu gewöhnen.

Durch die Imitation der Reibung werden die rhythmischen Bewegungen, die ansonsten für die Scheidenkrämpfe verantwortlich sind, als harmlos eingestuft.

 

Gleitmittel

Um schmerzhaften Begegnungen beim Gynäkologen oder in der Partnerschaft vorzubeugen, sollten betroffene Frauen auf den Einsatz von Gleitmittel bestehen.

 

Damit reduziert sich die Reibung, und das Eindringen an sich wird als weniger intensiv wahrgenommen.

 

Medikamente gegen Vaginismus

In Ausnahmesituationen werden Muskelrelaxantien eingesetzt. Sie senken den Muskeltonus zuverlässig ab, was zu einer Entspannung und Entkrampfung führt. Dies ist beispielsweise notwendig, wenn eine medizinische Untersuchung des Unterleibs vorgenommen werden muss.

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Wie beugt man schmerzhaften Scheidenkrämpfen vor?

In den allermeisten Fällen lösen gewaltvolle Erfahrungen, beispielsweise in der Sexualität oder bei einem Geburtsvorgang, Vaginismus aus. Diese Komponenten lassen sich nicht grundsätzlich im Leben ausschließen.

Wer anfällig für einen Scheidenkrampf ist, sollte umso behutsamer mit sich und seinem Körper umgehen. Schmerzhafte Situationen, insbesondere in der Unterleibsregion, sollten möglichst vermieden werden.

Hilfreich kann es sein, mittels Beckenbodentraining und Autosuggestion einen positiven Einfluss auf die Intimregion auszuüben. Dann fällt es im Falle der Fälle gleich viel leichter, sich auf seine innere Mitte zu besinnen und entspannt und unverkrampft zu bleiben.

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