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Biofeedbackgerät und Therapie zur Stärkung des Beckenbodens


Biofeedbackgerät

Beim Biofeedback geht es immer darum, ein bestimmtes Verhalten zu erlernen oder gezielt zu reaktivieren. Die Therapie wird auf alle Bereiche des Körpers angewandt. Es ist ein Verfahren der sogenannten Verhaltensmedizin. So soll sich Stück für Stück die Gesundheit wiederherstellen lassen.

Mittels der Behandlung lernt der Patient über das positive (Bio-)Feedback seines Körpers (eine Art Rückantwort), welche Auswirkung neue Verhaltensmuster haben oder inwiefern eine Veränderung möglich ist.

Die praktische Umsetzung erfolgt mittels Elektroden, die auf die Haut aufgeklebt oder in den Körper eingeführt werden. Sie messen entweder den Hautwiderstand, den Muskeltonus oder wirken mittels Stromimpuls direkt auf tieferliegende Muskeln ein.

Das Besondere: Die Methode verläuft zunächst eher passiv. Das ist für all die Patienten bedeutsam, die aufgrund der Beeinträchtigung anfänglich keine aktive Rolle übernehmen können.

Dabei macht man sich die biologische Pulsamplitude (Pulsdruck) und die regionale Hautleitfähigkeit zunutze.

 

 

 

Welchen Zweck hat die Therapie?

Biofeedback setzt man oft zum Beckenbodentraining ein. Es hat sich in der Therapie gegen Blasenschwäche oder Stuhlinkontinenz medizinisch etabliert.

Ebenso wird es zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur empfohlen, was beispielsweise bei einem Prolaps von Scheide oder Gebärmutter sowie bei einer Erkrankung der Prostata sinnvoll sein kann.

Die Biofeedback Therapie wird eingesetzt bei:

  • Allgemeinen Miktionsstörungen bis hin zur Harninkontinenz
  • Belastungsinkontinenz
  • Dranginkontinenz
  • Stuhlinkontinenz
  • Spastischen Beckenbodenmuskeln
  • Nach einer Operation an der Prostata (Benigne Prostatahyperplasie BPH oder Prostatakarzinom)
  • Beim Problem des Zusammenspiels zwischen Blase und Harnröhre (Detrusor-Sphinkter-Dysfunktion)
  • Sensibilitätsstörungen im Urogenitaltrakt

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Welche Geräte kommen zum Einsatz?

Je nachdem, welches Problem genau therapiert werden soll, stehen verschiedene Modelle mit Reizstrom zur Auswahl.

Bei einer TENS Therapie (Transkutane Elektrische Nervenstimulation) werden die Nervenbahnen angeregt. Die Durchblutung verbessert sich, der gesamte Bereich wird belebt.

Verschreibt der Arzt ein TENS EMS Gerät (Elektrische Muskelstimulation), wird damit nicht nur oberflächlich die Haut stimuliert, sondern es werden zugleich die tieferliegenden Muskeln gereizt. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn eine Erschlaffung des Tonus vorliegt (beispielsweise im Beckenboden).

Beim EMG Biofeedback (Elektro-Myographie) wird zusätzlich die Reaktion des Patienten gemessen. So wird auf dem beiliegenden Gerät beispielsweise die Muskelkraft abgebildet.

Bei der intravesikalen Elektrostimulation (IVES) wiederum wird die Blase mit einer Kochsalzlösung aufgefüllt und dann von einer im Organ liegenden Elektrode stimuliert.

 

Vom Biofeedback für den Beckenboden zu unterscheiden ist Neurofeedback.

 

Dabei handelt es sich um eine Behandlungsform, welche direkt bei einer Fehlregulierung der Hirnfunktionen zur Anwendung kommt und diese therapiert. Damit werden insbesondere Kinder behandelt, die unter nächtlichem Einnässen leiden (Enuresis nocturna).

Weil beim Neurofeedback die Hirnströme gemessen werden und man darüber in laufende körperliche Prozesse eingreifen kann, soll eine Neuausrichtung des Verhaltens erlernt werden (sog. Konzentrationstraining).

Zu den Elektrostimulationsverfahren gehört ebenfalls HRV. Beim HRV Biofeedback handelt es sich um ein Herzfrequenzvariabilitäts-Training, welches beispielsweise bei Burnout und Somatisierungsstörungen eingesetzt wird.

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Welche Wirkung hat das Biofeedback Training?

  • Biofeedbackgeräte haben mehrere Vorteile. Einerseits erlauben sie es, Bereiche zu stimulieren, welche vom Patienten selbst nicht angesprochen werden können.
  • Ob körperliches Unvermögen (nach Schlaganfall) oder mangelnde Vorstellungskraft zur Lage des Beckenbodens – mit dem Gerät ist ein passives und recht statisches Training der Beckenbodenmuskulatur möglich.
  • Ein weiterer Vorteil ist die sensible Ausrichtung der Elektrostimulation. Soll nur ein feiner Muskel angeregt werden oder gar der gesamte Beckenboden?
  • Moderne Biofeedbackgeräte sind komplexe medizinische Hilfsmittel, mit denen sich ganz unterschiedlich arbeiten lässt.
  • Sie werden zur Harninkontinenz Therapie, für Stuhlinkontinenz Übungen oder in Kombination mit Beckenbodenübungen genutzt.

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Biofeedbackgeräte zum Beckenbodentraining

Viele Menschen benötigen eine Restrukturierung ihrer Beckenbodenmuskulatur und sind zunächst überfordert. Um die Anatomie, Funktion und die Lage einzelner Muskeln besser einschätzen zu können, werden Biofeedbackgeräte eingesetzt.

Sie gelten als Hilfsmittel für Beckenbodentraining und sind in der Urologie, Gynäkologie und Proktologie gängige Therapieinstrumente.

 

 

Vaginalsonde

Diese Geräte sind sinnvoll, wenn Frauen beispielsweise nach einer Schwangerschaft und Geburt die Rückbildung fördern möchten. Ebenso können sie im Falle eines Prolaps von Gebärmutter, Scheide und Blase helfen.

Dabei wird der Kopf der Vaginalsonde in die Vagina eingeführt. Die Patientin simuliert hierbei mit der Kraft der Gedanken die Anspannung und Entspannung des Intimbereichs.

Durch die Elektrostimulation des Gerätes findet ein spezielles Beckenbodentraining für Frauen statt, welches der Patientin zunehmend leichter fallen wird.

 

Im Laufe der Therapie erlangen Patientinnen, die mittels Vaginalsonde trainieren, immer mehr Befehlsgewalt über ihren Unterkörper.

 

Analsonde

Das Elektrotherapiegerät wird beim Mann wie bei der Frau rektal eingeführt. Die Analsonde wird häufig zum speziellen Beckenbodentraining für Männer nach einer Prostata-OP genutzt.

Dazu wird der Sondenkopf in den Enddarmbereich eingeschoben. Hier vollzieht er ein festgelegtes Programm. Die meisten Geräte wirken direkt auf den Schließmuskel ein.

 

Die Elektrostimulation kann aber auch das tieferliegende Gewebe des Beckenbodens beeinflussen.

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Qualitätsmerkmale guter Biofeedbackgeräte

Wer sich ein Biofeedback Gerät kaufen möchte, verliert am Markt schnell den Überblick. Unterscheiden muss man, was genau mit der Therapie behandelt werden soll (Inkontinenz, Physiotherapie für den Beckenboden, usw.).

  • Ferner muss zwischen klebenden Elektroden, einer Vaginalsonde oder einer Analsonde differenziert werden.
  • Gute Geräte für das Beckenbodentraining sind als „Medizinprodukte der Klasse II“ ausgewiesen.
  • Manche Biofeedbackgeräte verbinden sich mit der Fernbedienung via Bluetooth, andere wiederum können mit verschiedenen Sonden oder Elektroden erweitert werden.
  • Achten sollte man darauf, dass die Sonde in Länge und Umfang ergonomisch passt und aus einem glatten, allergiefreien Material besteht (Kunststoff, Silikon).
  • Sie sollte leicht zu reinigen sein. Schön ist es, wenn der Hersteller eine passende Aufbewahrung anbietet, in welcher das Gerät zwischen den Anwendungen sicher verstaut werden kann.
  • Hochwertige Apparate zeichnen sich dadurch aus, dass der Anwender nicht versehentlich das vorgegebene Therapieprogramm oder die Stromstärke verstellen kann.
  • Außerdem gibt es Modelle, die unterschiedliche Frequenzen anbieten, mit denen gleichzeitig eine Schmerztherapie vorgenommen werden kann (dann oft im Rahmen der Physiotherapie).
  • Neurofeedback Geräte oder Apparate für HRV oder IVES Biofeedback sind hochkomplex und kommen eher in Kliniken oder Spezialpraxen zum Einsatz.
  • Üblich im Bereich der Beckenbodenstärkung sind TENS, EMS oder EMG Biofeedbackgeräte für zuhause.

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Beckenbodentraining mit Biofeedback – so funktioniert es:

  • Biofeedbackgeräte arbeiten alle mit Strom. Ihre Anwendung erfolgt immer im Trockenen, nie direkt auf der Toilette oder in der Badewanne.
  • Es ist üblich, dass der Patient von einem Biofeedback Therapeuten eine persönliche Einweisung erhält.
  • In der Regel werden sowohl die Sonde als auch der After oder der Scheideneingang mit einem Kontaktgel (Gleitmittel) befeuchtet. Das Gerät wird eingeführt und die Elektrostimulation beginnt.
  • Durch die Stromimpulse sind Phasen der Anspannung und Entspannung zu bemerken. Je nach Indikation kann ferner eine permanente muskuläre Spannung im entsprechenden Areal erzeugt werden.
  • Mit der Macht der Gedanken versucht der Patient nun, genau jene Bereiche zu kontrahieren, welche therapiert werden sollen. Häufig bemerken Männer und Frauen, dass die Muskeln manchmal abweichend reagieren.
  • Durch das persönlich erlebte Biofeedback (physiologische Rückmeldung des Körpers) lassen sich der jeweilige Sinneseindruck korrigieren und neue Bewegungsabläufe einüben.

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Wann zeigen sich erste Erfolge?

Weil es sich um einen kontinuierlichen Lernprozess handelt, sind meist viele aufeinander folgende Trainingseinheiten vorgesehen.

Für eine Behandlung zuhause empfehlen Ärzte, sich mindestens einmal oder zweimal pro Tag damit zu stimulieren. Die Erfolgsaussichten sind gut, wenngleich sie nicht von heute auf morgen eintreten.

Zwar berichten viele Patientinnen und Patienten schon nach wenigen Minuten von einer Veränderung, doch ist diese Empfindung meist auf die stärkere Durchblutung zurückzuführen.

Wichtig ist es, das Beckenbodentraining bei Inkontinenz über mehrere Wochen zu absolvieren. In der Regel zeigen sich die ersten Erfolge nach rund zwei bis sechs Monaten.

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Was kostet eine Biofeedback-Therapie?

Je nach Krankenkasse ist eine Kostenübernahme möglich. Dafür muss allerdings eine ärztliche Verordnung vorliegen.

Diese steht zumeist am Ende einer langwierigen Therapie, im Rahmen welcher der Experte zuvor alle weiteren Alternativen ausprobiert hat.

Biofeedback Geräte sind insofern zwar generell auf Rezept erhältlich, doch liegen dann meist Erkrankungen vor, bei denen andere Behandlungsverfahren keine Verbesserung gebracht haben.

Deshalb gehen viele Betroffene dazu über, die Apparatur unmittelbar auf eigene Kosten anzuschaffen.

Wer sich zur speziellen Elektro Muskel Stimulation solche Geräte kaufen möchte, kann sich im örtlichen Sanitätshaus beraten lassen.

Weil sich viele Menschen dabei eher unwohl fühlen, ist der anonyme Onlineeinkauf mittlerweile der bevorzugte Weg.

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Was muss man über Biofeedback wissen?

Wer das Beckenbodentraining bei Inkontinenz oder zur allgemeinen Stärkung der Beckenbodenmuskulatur durchführt, muss keine Angst vor Schmerzen haben.

Lediglich die Kontraktionen der Muskeln sowie ein leichtes Prickeln auf der Haut sind zu spüren. Die Anwendung gilt als sicher. Negative Folgen oder gar Nebenwirkungen sind selten.

Wichtig ist es, auch außerhalb der elektrischen Übungen die Beckenbodengymnastik zu absolvieren.

Viele Patienten profitieren daneben oft davon, wenn sie eine Physiotherapie erhalten und ergonomisch unterstützt werden.

Übrigens: Schwangere dürfen Biofeedbackgeräte für den Beckenboden nicht nutzen. Erst nach der Geburt darf mit der Therapie zum Aufbau der Beckenbodenmuskulatur begonnen werden.

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