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Elektrostimulation – Die gezielte Therapie mit Wirkung


Elektrostimulation

 

 

Was ist eine Therapie mit Elektrostimulation?

Durch die Elektrostimulation kann man an speziellen Bereichen des Körpers mit Hilfe von feinen Elektroströmen Besserung der Nerven oder Muskeln hervorrufen. Dabei werden einzelne Elektroden am zu behandelnden Körperteil fixiert und durch ein separates Gerät die Frequenz sowie die Schnelligkeit der Stromzufuhr gesteuert.

 

Was bewirkt die Elektrostimulation?

Elektrostimulation ist mittlerweile aus dem klinischen Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie werden in Krankenhäusern, in Reha-Einrichtungen oder in der ambulanten Pflege bzw. Nachsorge zuhause genutzt.

Eingesetzt wird die spezielle Stimulation immer dann, wenn der Urogenitaltrakt eines Patienten therapiert werden soll. Es gibt viele Gründe, die eine Behandlung notwendig machen:

  • Allgemeine Senkungsbeschwerden (Absenken von Blase, Harnröhre, Gebärmutter, Vagina,
  • Analschleimhaut oder After) mit daraus resultierenden Folgeerkrankungen.
  • Bei unterschiedlichen Miktionsbeschwerden.
  • Jegliche Formen der Inkontinenz (Urin und Stuhl).
  • Als Maßnahme nach einer Prostata-Operation (BPH oder Karzinom).
  • Zur Heilungsunterstützung nach einem Dammschnitt, Dammriss, Vaginalriss oder Schließmuskelriss.
  • Gegen Funktionsstörungen im Urogenitaltrakt wie Detrusor-Sphinkter-Dysfunktion.
  • Schmerzen bei allgemeinen Sensibilitätsstörungen oder Taubheit der äußeren Geschlechtsorgane.
  • Bei Potenz- und Erektionsstörungen des Mannes (Impotenz, Erektile Dysfunktion).
    Orgasmusschwierigkeiten der Frau.
  • Bei einem spastischen Beckenboden aufgrund von Krankheit oder einem zu starken Muskeltonus.

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Wie funktioniert die Elektrostimulation?

Vereinfacht kann man sich das Verfahren so vorstellen, dass temporär eine gewisse Frequenz an Strom auf den Körper einwirkt. Dazu werden entweder spezielle Klebeelektroden von außen an der Haut befestigt, oder es wird eine ergonomisch geformte Elektrode in Form einer Sonde in den Körper eingeführt.

Die jeweiligen Elektroden sind via Kabel mit einem handlichen Steuerungsgerät verbunden. Je nach Modell werden darüber die Dauer und Intensität des Trainings bestimmt. Die Stimulation beginnt, ohne dass der Patient weiterhin etwas Unternehmen müsste.

Ziel der Elektrostimulationstherapie ist immer eine grundlegende Regeneration beteiligter Nervenzellen und Gewebe-Abschnitte. Ebenso dient der Einsatz vom Elektrostimulationsgerät dem präzisen Muskelaufbau.

 

Ob dazu eine Sonde oder mehrere Elektroden verwendet werden, obliegt der ärztlichen Diagnose und anschließenden Empfehlung.

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Der Unterschied zwischen TENS und EMS

Grundsätzlich gibt es mehrere Verfahren. Jedes hat seine Vor- und Nachteile, manche Funktionen und Eigenschaften lassen sich miteinander kombinieren.

Die TENS Therapie (Transcutaneous Electrical Nerve Stimulation) dient der Nervenstimulation. Hierbei wirkt Wechselstrom mit niedriger oder mittlerer Frequenz auf die Nervenbahnen ein.

Die elektrischen Impulse innerhalb der Nerven lassen die anliegenden Muskeln kontrahieren und sorgen für eine verlässliche Durchblutung des Areals. TENS wird häufig in der Schmerztherapie eingesetzt.

Daneben gibt es die EMS Therapie (Elektrische Muskelstimulation oder Elektromyostimulation) mit niederfrequentierten Strömen. Die Wirksamkeit beruht hier auf der direkten Stimulation der Muskulatur. Die Kontraktionen sind deutlich spürbar.

Um den Urogenitaltrakt zu behandeln, werden überwiegend kombinierte Elektrostimulation genutzt, sogenannte TENS EMS Therapie. Das bearbeitet die Nerven und Muskeln gleichermaßen.

Noch effektiver verläuft das Elektrostimulationstraining mit einem sogenannten EMG Biofeedback (Elektro-Myographie). Dabei geben die Sensoren nicht nur bestimmte Frequenzen ab, sondern messen zugleich den Druck, den der Patient mit seiner wachsenden Muskelkraft selbst auslöst.

Durch die Rückmeldung durch das Biofeedbackgerät kann der Betroffene den Muskelaufbau nachvollziehen und aktiv mitarbeiten.

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Elektrostimulation gegen Erektionsstörungen

Eine 2014 veröffentlichte Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf gibt Männern Hoffnung, die mit Problemen ihrer Potenz konfrontiert sind. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Elektrostimulation bei sogenannten organisch bedingten Erektionsstörungen dazu beitragen kann, wieder die volle Potenz zu erlangen.

Hintergrund ist, dass mit der Elektrotherapie genau jene glatten Muskelzellen innerhalb des Schwellkörpers angeregt werden, die für den zügigen Blutfluss verantwortlich sind. Ebenso wird die wichtige quergestreifte Beckenbodenmuskulatur aktiviert (PC Muskel).

Nach sechs Monaten Training gaben über 90 Prozent der Teilnehmer an, dass sich durch die Elektrotherapie ihre Erektion verbessert habe. Die Wirkkraft war sogar besser als die Ergebnisse der Vergleichsgruppe, welche mit üblichen Potenzmitteln aus der Apotheke versorgt wurde.

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Potenz mit Elektrostimulationstraining selbst fördern

Wer sich zur Selbsttherapie so ein Werkzeug zulegen möchte, sollte auf seriöse Hersteller achten. Beliebt sind Geräte mit niedriger Stromfrequenz, die ganz ähnlich in der Schmerztherapie oder zur Regeneration von Muskeln und Nerven genutzt werden.

Bei der Reizstromtherapie werden mehrere Elektroden am Penisschaft, unter der Eichel und am Damm aufgeklebt. In einem täglichen Training erfolgt die sanfte Übertragung der Impulse auf das Genital. Man geht von einer Therapiedauer zwischen drei und sechs Monaten aus (bei täglicher Anwendung).

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Elektrotherapie bei Beckenbodenschwäche

Zwar gehört der Beckenboden mit zu den wesentlichsten Muskelgruppen im Körper, gleichwohl ist er vielen Menschen schlichtweg nicht bekannt. Die Muskeln zu lokalisieren oder gar zu trainieren fällt häufig schwer.

Um betroffenen Patienten besser helfen zu können, verordnen Ärzte die sogenannte Elektrostimulation. Die speziellen medizinischen Hilfsmittel zum Beckenbodentraining sorgen quasi selbstständig für eine tiefgreifende Muskelstärkung.

Dabei ist das Verfahren denkbar einfach und kann sogar ohne das direkte Mitwirken des Patienten durchgeführt werden: Bei der Therapie stimulieren elektrische Reize autonom die umliegenden Nerven und Muskelzellen. Es kommt zu Kontraktionen, die positiv auf den gesamten Beckenboden wirken.

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Elektrotherapie gegen Inkontinenz

Eine Inkontinenz kann jeden treffen. Da unterschiedliche Probleme und Ursachen zugrunde liegen können, wird die Therapie individuell auf die Patientin oder den Patienten abgestimmt.

Weil in den allermeisten Fällen aber die Herabsenkung des Beckenbodens der Auslöser einer Inkontinenz ist, gehört die Elektrostimulationstherapie für die Blase zu den gängigen Maßnahmen.

Liegt eine Blasenschwäche oder Schließmuskelschwäche vor, wird der Patient zunächst in einem regelmäßigen Beckenbodentraining unterrichtet. Ergänzt wird dieses durch die Elektrotherapie.

Mit einer speziellen Vaginalsonde oder Analsonde kann der Muskelaufbau im Urogenitaltrakt gezielt vorangetrieben werden.

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So wirkt die Elektrostimulation auf die Blase

Mit der rektal oder vaginal eingeführten Sonde wird insbesondere der Nervus pudendus („Schamnerv“) angesprochen. Er kreuzt den Beckenboden und verästelt sich dann weitflächig.

Die einzelnen Ausläufer dieses Nervs innervieren etwa den äußeren Afterschließmuskel (Musculus sphincter ani externus), die Nerven rund um den Damm (Nervi perineales) sowie die Muskeln der Harnröhre (Musculus urethralis).

 

Eine Schädigung oder minimale Verlagerung dieser Nervenstränge ist in vielen Fällen Ursache einer Inkontinenz.

 

Indem nun das feine Gefäßgeflecht stimuliert wird, werden wiederkehrende Kontraktionen ausgelöst. Sie sind für den Betroffenen intensiv spürbar (jedoch nicht schmerzhaft), so dass der Patient im Laufe der Therapie immer stärker mitarbeiten kann.

Die Kontraktionen führen sukzessive zu einem gezielten Muskelaufbau innerhalb der gesamten Beckenbodenplatte. Der Bereich wird stark durchblutet und die Impulsübermittlung innerhalb der Nerven gefördert. Durch die stetige Kontraktion bilden sich die Muskeln immer stärker aus.

Die Wirkung: Die inneren Organe finden wieder Halt innerhalb der Beckenbodenmuskulatur und festigen sich an ihrem ursprünglich angestammten Platz.

Erste Verbesserungen zeigen sich häufig nach etwa drei Monaten. Langfristig ist die zunehmende Regeneration des gesamten Areals möglich – der Patient wird kontinent.

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Welche Produkte werden verwendet?

Je nach Art der Inkontinenz kommen unterschiedliche Geräte zum Einsatz. So wird beispielsweise die Stressinkontinenz mit einer höheren Frequenz behandelt, welche intensiv auf den Nervus pudendus einwirkt. Bei der Dranginkontinenz hingegen sollen die beteiligten Nerven eher beruhigt und zu einer normalen Impulsübermittlung angeregt werden.

Deshalb wird in diesem Fall der Musculus detrusor vesicae mit niederschwelligen Strömen therapiert. Je nach Auslöser der Inkontinenz kann sich ein ganz unterschiedliches Therapiebild ergeben, welches nur von einem Facharzt vorab diagnostiziert werden kann.

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Was sollte man beachten?

Die Verwendung von Reizstrom ist seit vielen Jahrzehnten in medizinischen Einrichtungen üblich. Das Elektrostimulationstraining gilt als sicher. Trotzdem müssen einige Dinge beachtet werden.

  • Menschen mit einem Herzschrittmacher dürfen nicht an dem Training teilnehmen.
  • Ebenso dürfen Schwangere die Therapie nicht erhalten.
  • Wer unter Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Herzkreislauferkrankungen leidet, muss vorab den behandelnden Arzt befragen.
  • Gleiches gilt für Erkrankte, die unter Lähmungen oder chronischen Schmerzen leiden.
  • Ebenso ist die Behandlung von Epileptikern und Patienten nach einem Schlaganfall nicht ausreichend dokumentiert.
  • Bei akuten Entzündungen an Gelenken oder Organen muss das Training bis zur Genesung verschoben werden.
  • Verletzungen und offene bzw. heilende Wunden dürfen nicht mit den Elektroden in Kontakt kommen.

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